Die CDU-Fraktion im Stader Kreistag stellt folgenden Antrag:


Der Kreistag des Landkreises Stade möge folgende Resolution beschließen:

Der Kreistag des Landkreises Stade fordert die Niedersächsische Landesregierung auf, dem Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung schnellstmöglich zu begegnen. Nur so ist uns als Kommune möglich, den gestiegenen Bedarfen in der frühkindlichen Bildung, dem damit verbundenen Rechtsanspruch und den hochwertigen pädagogischen und qualitative Anforderungen an Kindertagesstätten und Krippen gerecht zu werden. Zu diesem Zweck fordern wir die Landesregierung auf, die Attraktivität der Ausbildung zur Sozialassistentin / zum Sozialassistenten und zur Erzieherin / zum Erzieher mit Nachdruck zu steigern.

Nicht zuletzt hat die Covid19-Pandemie Politik und Gesellschaft vor Augen geführt, welchen Stellenwert die frühkindliche Bildung in unserem Land hat und welchen Folgen sich für Familien aber auch für unsere Wirtschaft ergeben, wenn diese wichtige gesellschaftliche Säule wegfällt.

Auch eine im August 2020 veröffentliche Bertelsmann-Studie ist besorgniserregend. Sie kommt zu dem Schluss: Die Qualität in der Betreuung in deutschen Kitas ist unzureichend. Mehr als die Hälfte der Kinder in niedersächsischen Kindertagesstätten werden laut Studie nicht ausreichend betreut – für circa 64 Prozent der Kinder steht nicht ausreichend Fachpersonal zur Verfügung. Der Fachkraft-Kind-Schlüssel ist besorgniserregend: In Krippen liegt dieser bei 3,7 Kindern pro Fachkraft, in Kindergärten bei 8,9 Kindern pro Fachkraft.

Einige Träger im Land schaffen es sogar nicht mehr, alle Kindergartengruppen mit zwei Betreuungskräften zu versorgen. In der Folge kommen Kita-Gruppen teilweise nicht mehr zustande oder müssen sogar geschlossen werden – coronabedingte Engpässe unberücksichtigt.

Umso bedauerlicher ist es, dass die seit vielen Jahren offensichtlichen Fragen der Attraktivitätssteigerung für Fachkräfte in diesem Bereich auch heute noch unbeantwortet bleiben.

Es ist zu begrüßen, dass das Land das Schulgeld für die genannten Ausbildungsgänge abgeschafft hat und erste Schritte zu einem berufsbegleitenden Ausbildungsgang geht. Mangelhaft ist jedoch, dass das Land Niedersachsen das im Jahr 2018 gestartete Pilotprojekt noch nicht landesweit als Regelangebot eingerichtet hat.

Wir sind überzeugt: Hätte das Land hier vor Jahren schon die richtigen Weichen gestellt, wäre man im Jahr 2020 nicht in die Situation gekommen, die verpflichtende Drittkraft in unseren Krippen auf Grund eines erheblichen Fachkräftemangels um fünf Jahre auf das Jahr 2025 zu verschieben. Der aktuelle Fachkräftemangel ist hausgemacht.

Niedersachsen braucht dringend ein dualisiertes Ausbildungssystem, in dem die Träger entsprechend ihrer Bedarfe ausbilden können, für eine qualifizierte Ausbildung die entsprechenden Rahmenbedingungen vom Land Niedersachen geschaffen werden und Auszubildende eine angemessene Vergütung erhalten.

Nur so ist eine nachhaltige, bedarfsorientierte Bekämpfung des Fachkräftemangels in der frühkindlichen Bildung und eine echte Qualitätssteigerung – durch eine frühere und intensivere Arbeit am Kind möglich.