Tageblatt 1506_Harsefeld_EAK

Bericht aus dem Stader Tageblatt – Ausgabe vom 15.06.2016 zur Veranstaltung des CDU-Samtgemeindeverbandes Harsefeld gemeinsam mit dem EAK im Rahmen der „Woche der CDU 2016“
von Wilfried Stief

Harsefeld. Ob Jurist, Theologe oder Mediziner – da waren sich die Fachleute einig: Die letzten Stunden vor dem Tod sollten zuhause verbracht werden können. Dass das ein frommer Wunsch und nicht alltäglich ist, wurde bei der CDU-Veranstaltung „Leben und Sterben in Würde“ mehr als deutlich. Das ernste Thema, zu der Harsefelds CDU-Vorsitzende Helma Deden über 50 Gäste im Saatzucht-Café in Harsefeld begrüßte, ist ein Programmpunkt der Woche der CDU, die gerade begonnen hat.

Wie es früher auf dem Land war, erzählte Helma Deden zur Einführung in das Thema. Da bahrten die Angehörigen den Verstorbenen zuhause auf – meist auf der Diele – und die Dorfbewohner nahmen persönlich Abschied. Das Leben und auch das Sterben haben sich seitdem stark verändert. Das wurde in den Vorträgen der Fachleute auf dem Podium deutlich. Der Jurist Dr. Wolf von der Wense appellierte an die Zuhörer, sich unbedingt um eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung zu kümmern. Damit mache jeder seinen Angehörigen das Leben leichter und gebe dem Arzt eine Anleitung, wie der Umgang in Zeiten des Sterbens auszusehen hat.

Der Theologe Dirk Heuer, Landesvorsitzender des evangelischen Arbeitskreises der CDU (EAK), wandte sich gegen aktiv gestaltete Sterbehilfe. „Das Leben ist ein Geschenk Gottes und steht nicht in der Verfügungsmacht des Menschen“, sagte der Pastor kategorisch. Wenn Sterbehilfe erlaubt werde, führe das zu einem Handlungs-druck auf schwer Erkrankte, dem Leben doch ein Ende zu setzen. Heuer äußerte auch seine persönliche Ansicht, was rechtlich regelbar wäre. Nämlich, wenn die Schmerzen in den absehbar letzten Stunden überhandnehmen, lindernd einzu-greifen.

Aus der Hospiz-Arbeit berichtete der dritte Fachmann in der Runde, der Allgemeinarzt und Palliativmediziner Dr. Godeke von Appen, der das Hospiz in Bremervörde betreut. Der Mediziner macht dabei auch die Grundsätze der Arbeit deutlich: Niemanden allein zu lassen und alles zu versuchen, von Schmerzen und Leiden zu befreien, Gedanken von Cicely Saunders und Elisabeth Kübler-Ross, die in die Hospizbewegung einflossen.

„Ein Hospiz ist fantastisch, aber eine Notlösung“, sagte von Appen. Denn jeder Mensch wünsche sich, umgeben von Angehörigen zuhause zu sterben, wo die Geräusche und Gerüche vertraut sind. Das unterstrich auch Jurist von der Wense, der die Vereinsamung als gesellschaftliches Phänomen einordnete und die Hospizarbeit als gute Antwort darauf bezeichnete.

Auch von den Zuhörern wurde die Hospizarbeit gelobt, zumal sie den Sterbenden wie die Angehörigen auf das Unausweichliche vorbereite. Harsefelds Hospizgruppen-Mitbegründer Wilhelm Pillon nutzte die Veranstaltung für einen Aufruf, sich der Hospizarbeit zu widmen.