Polizei steht vor immer neuen Herausforderungen

torstenoestmann

Chef der Stader Polizeiinspektion – Torsten Oestmann

Im Rahmen des „Kehdinger Gespräches“ ging es diesmal um die Sicherheit in Kehdingen und die Situation der Polizei. Als Referenten konnte die CDU in Drochtersen den Chef der Stader Polizeiinspektion, Torsten Oestmann, sowie den Pressesprecher der Stader Polizei, Rainer Bohmbach, begrüßen.

Oestmann gab einen Überblick über die Personalsituation und die sich veränderten Aufgaben im Landkreis Stade und speziell in Kehdingen. Im gesamten Landkreis hat die Polizei aktuell rund 270 Vollzugsbeamte im Einsatz. Diese stehen rund 11.000 Straftaten innerhalb eines Jahres im Landkreis Stade gegenüber. Zu diesen 11.000 Straftaten gehören aber auch viele kleinere Delikte, wie Beleidigungen oder auch kleinste Sachbeschädigungen, die die Fallzahlen in die Höhe treiben. Im Gebiet der Einheitsgemeinde Drochtersen sind es rund 500 Straftaten im Jahr. Oestmann setzte in seinen Ausführungen den ländlichen Bereich Kehdingens hier in ein Verhältnis zum Gebiet der Stadt Stade, wo die Anzahl der Straftaten nahezu zehn Mal so hoch ist. Auch sei der Landkreis Stade im Verhältnis zu anderen Kreisen in Niedersachsen nach wie vor noch sehr gut aufgestellt. Die Aufklärungsquote dieser Vorgänge liegt nahezu durchgängig bei 70 Prozent. Ein Thema, was insbesondere auch die Zuhörerinnen und Zuhörer interessierte, ist die stark zunehmende Zahl von Wohnungseinbrüchen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Kai Seefried, der die Diskussion moderierte, verwies hier auf die landesweite Entwicklung, wonach sich die Wohnungseinbrüche in den letzten zwei Jahren in Niedersachsen um rund fünf Prozent erhöht haben. Im Landesvergleich liegt die Zunahme im Landkreis Stade jedoch am Höchsten und hat sich hier innerhalb von 2 Jahren mehr als verdoppelt. Oestmann berichtete, wie die Polizei sich auf diese Aufgaben, die sich immer wieder wandeln, neu einstellt und entsprechende Vorkehrungen trifft. Neben den Wohnungseinbrüchen ging es dann weiterhin um Raubtaten bzw. Überfälle, die zum Teil auch auf offener Straße stattfinden. Hier kommt es im Landkreis Stade im Jahresvergleich auf 100 bis 150 Fälle. In Kehdingen selbst sind solche Straftaten glücklicherweise bisher kaum feststellbar. Bei sämtlichen Straftaten war mit dem Blick auf entsprechende Karten, die Oestmann vorstellte, schnell sichtbar, dass diese sich im Regelfall entlang von Verkehrsachsen oder in städtischen Ballungsgebieten häufen. Durch die wachsende Verkehrsanbindung insbesondere in Richtung Hamburg nimmt dieser Bereich daher insbesondere im südlichen Teil des Landkreises stetig zu. Mit Blick auf die zukünftige Autobahnentwicklung auch in Drochtersen wird es also auch zukünftig immer wieder darum gehen müssen, Entwicklungen genau zu beobachten und polizeilich darauf zu reagieren. Wie aus den Worten der Zuhörer deutlich wurde, steht die gefühlte Sicherheit auch immer im Zusammenhang mit der Präsenz der Polizei vor Ort und damit im direkten Zusammenhang mit der Polizeiausstattung. Oestmann baut darauf, dass die nach seiner Aussage derzeit gute Ausstattung auch zukünftig erhalten bleibt.

oestmann_bohmbach_petersen_seefriedAuch die Kehdinger Polizeidienststellen sind derzeit nach Plan ausgestattet. In Drochtersen arbeiten acht Vollzugsbeamte plus eine Tarifangestellte. In der Veranstaltung wurde aber auch deutlich, dass auf die Polizei neben diesen schon immer zu ihrer Arbeit gehörenden Aufgaben immer neue sehr personalintensive Herausforderungen zukommen. Gerade der Bereich der Internetkriminalität nimmt immer weiter zu und beansprucht enorme Personalkapazitäten. Ein weiteres Thema, das auch den Zuhörern Sorgen bereitet, ist die zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber der Polizei. Die gesellschaftliche Veränderung bringt an vielen Stellen eine Absenkung der Hemmschwellen mit sich. Deutlich wird dies auch über das Verhalten von Gaffern bei Einsätzen oder auch bei besonders schweren Verkehrsunfällen. Oestmann und Bohmbach warben hier intensiv für ein besseres gesellschaftliches Miteinander. „Es kann einfach nicht gut sein, wenn Familienangehörige bereits im Internet Bilder von schweren Verkehrsunfällen oder sogar Toten sehen, bevor die Polizei sie persönlich darüber informieren konnte“, so Bohmbach. „Hier muss eine schnelle gesetzliche Regelung her, die dieses Verhalten mit deutlich hohen Strafen belegt.“, so Margarethe Petersen die Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Drochtersen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.